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Wandern ist ein Massenphänomen – Fast jeder Deutsche wandert regelmäßig

 

Wandern ist keineswegs erst seit der Wandervogelbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Massenphänomen. Gewandert wird sogar schon seit Jahrtausenden. Bevor der Mensch sesshaft wurde, war es allerdings eher eine Notwendigkeit. Klimaveränderungen, krie

wandernWandern ist keineswegs erst seit der Wandervogelbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Massenphänomen. Gewandert wird sogar schon seit Jahrtausenden. Bevor der Mensch sesshaft wurde, war es allerdings eher eine Notwendigkeit. Klimaveränderungen, kriegerische Auseinandersetzungen oder Naturkatastrophen ließen Menschen Hunderte oder Tausende Kilometer zurücklegen – zu Fuß, versteht sich.

Das änderte sich ab dem 19. Jahrhundert, als Verkehrsmittel wie Auto und Eisenbahn ihren Siegeszug antraten. Nun konnten größere Entfernungen relativ einfach und schnell zurückgelegt werden, ohne dass der Wanderstab geschwungen werden musste.

Dafür entdeckten die Menschen zunehmend das Wandern als ein besonderes Naturerlebnis. Wer konnte, verließ am Wochenende die staubigen Industriestädte und fuhr hinaus aufs Land. Dort wurde frische Luft getankt und man war auf Schusters Rappen unterwegs – nur so zum Vergnügen.

Am Anfang war diese Form der Freizeitgestaltung nur wenigen vergönnt, die auch tatsächlich über die notwendige Zeit und das benötigte Geld für die Fahrten verfügten. Im Laufe der Jahrzehnte verbesserten sich jedoch die Arbeitsbedingungen. Die Freizeit nahm zu und die Fahrpreise wurden für viele erschwinglich. Fast überall in schönen Regionen entstanden Gasthäuser und Pensionen. Beliebt waren großstadtnahe Naturregionen, wie zum Beispiel das Bergische Land vor den Toren Kölns. In Scharen zogen die Menschen am Wochenende hinaus in die „Sommerfrische“ und wanderten durch die grüne Natur.

Heute zählt das Wandern zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen und findet sogar immer neue Freunde. Vor allem durch die Zunahme sitzender Tätigkeiten (zum Beispiel am PC) suchen immer mehr Menschen Möglichkeiten zum körperlichen Ausgleich mit gesunder Bewegung.

Wandern bietet sich dabei ganz besonders an. Es erfordert keine teure Ausrüstung (ein Paar Wanderschuhe und bequeme Kleidung genügen), ist bei fast jedem Wetter möglich (zur Not Regenjacke oder Schirm) und ist auch in hohem Alter noch möglich – schließlich gibt es beim Wandern kein vorgeschriebenes Tempo.

Wandern ist in jedem Fall eine gesundheitsfördernde Aktivität. Überanstrengungen sind selten; immerhin findet man in Wandergebieten häufig Ruhebänke, auf denen man zwischendurch einmal rasten kann. Auch gibt es beim Wandern keine so starken Belastungen von Gelenken wie etwa beim Joggen oder bei vielen Sportarten.

Vor allem aber bietet Wandern die Möglichkeit, sowohl alleine die Natur zu genießen als auch mit anderen zusammen, als Gemeinschaftserlebnis sozusagen. Wer will, kann sich beim Wandern entspannt mit anderen unterhalten – oder sogar singen.

So verwundert es auch nicht, dass nach einer neuen Untersuchung des Europäischen Tourismus Instituts in Trier 56 Prozent der Deutschen (über 16 Jahre) „aktive Wanderer“ sind – also rund 40 Millionen Deutsche. Und die Studie weiß auch, wie lang eine durchschnittliche Wandertour ist: Genau 9,3 Kilometer! Es müssen also keineswegs tagelange Gewaltmärsche sein: Gerade kleinere Wanderungen wirken ausgleichend und erhalten das körperliche und seelische Wohlbefinden.